Die Präsentation war überzeugend, die Geschäftsführung begeistert: KI sollte Produktionspläne optimieren, Lieferengpässe früh erkennen, Maschinenstillstände vorhersagen. Doch Monate später steckt das Projekt immer noch in der Pilotphase fest. Die Effizienzgewinne lassen weiter auf sich warten. Diese Situation kennen viele Unternehmen in der Fertigung und sie fragen sich daher: Haben wir die Macht der KI überschätzt?
Daten: das unterschätzte KI-Risiko
„KI-Projekte scheitern meist nicht an mangelhaften Algorithmen, sondern an mangelhafter Datenqualität“, erklärt Markus Stein, Head of Infor Business bei Konica Minolta. Datensilos seien die „Achilles-Ferse“ der KI-Transformation, heißt es auch in der IBM-Studie „2025 Chief Data Officer (CDO)“. Unternehmen verfügen zwar über große Datenmengen, diese liegen jedoch oft in unterschiedlichen Systemen, Abteilungen oder Formaten vor, sind unvollständig oder nicht aktuell.
Das ERP-System als solides Fundament
Erfolgreicher KI-Einsatz benötigt eine einheitliche Sicht auf das Unternehmen – auch wenn die Informationen aus ganz unterschiedlichen Quellen stammen, aus Maschinen und Sensoren, aus dem Lager, aus dem CRM oder eigenständigen Excel-Listen und Spezialanwendungen.
Hier kommt das ERP-System ins Spiel. Moderne ERP-Lösungen sind längst mehr als digitale Verwaltungswerkzeuge. Sie bündeln zentrale Geschäfts-, Produktions- und Lieferkettendaten auf einer gemeinsamen Plattform und werden damit zur Datendrehscheibe für digitale Geschäftsprozesse. Und damit auch zur Grundlage für erfolgreiche KI-Anwendungen.
Von der Theorie zur Praxis: Wie KI und ERP echten Mehrwert schaffen
„Unternehmen brauchen für KI keine weitere Insellösung“, sagt Infor-Experte Markus Stein. „Sie müssen vielmehr Datensilos aufbrechen und Informationen dort verfügbar machen, wo Entscheidungen getroffen werden.“ Seine Empfehlung lautet daher: „Wer in ein modernes, cloudbasiertes ERP-System investiert, schafft die Voraussetzung für die nächste Phase der Automatisierung.“
Sind die Daten sauber strukturiert und zentral verfügbar, eröffnen sich zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten auf Basis von KI. In der Fertigung gehören dazu beispielsweise:
- Predictive Maintenance: Wartungsbedarfe erkennen, bevor Maschinen ausfallen
- Produktionsplanung: KI berücksichtigt Auftragseingänge, Materialverfügbarkeit und Maschinenkapazitäten in Echtzeit und unterstützt die Feinplanung
- Bestandsoptimierung: KI identifiziert langsam drehende Artikel, empfiehlt optimale Sicherheitsbestände und reduziert Kosten durch gebundenes Kapital
- Lieferkettenmanagement: Risiken und Engpässe frühzeitig identifizieren
- Prozessautomatisierung: Routineaufgaben in Einkauf, Verwaltung und Disposition beschleunigen
Der eigentliche Nutzen entsteht dabei nicht durch die KI allein. Entscheidend ist die Fähigkeit, relevante und zuverlässige Daten aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen miteinander zu verknüpfen – ganz ohne Halluzinationen.
„Für Fertigungsunternehmen beginnt die KI-Transformation häufig nicht mit einem neuen Tool, sondern mit einer modernen ERP-Strategie.“
Markus Stein, Head of Infor Business bei Konica Minolta
ERP-Daten helfen auch beim EU Data Act
Die Bedeutung strukturierter Daten wächst nicht nur wegen KI, sondern auch aufgrund regulatorischer Anforderungen. So werden sie durch den digitalen Produktpass für immer mehr Unternehmen unabdingbar. Auch der EU Data Act fordert bessere Datenverfügbarkeit, Interoperabilität und Governance. Manche ERP-Systeme – wie etwa die Infor CloudSuite Industrial Enterprise – sind von Haus aus auf Compliance mit dem EU Data Act ausgelegt.
ERP und KI: Wettbewerbsvorteil dank Daten
Viele Unternehmen diskutieren heute darüber, welche KI-Anwendungen den größten Nutzen versprechen. Die oft wichtigere Frage lautet jedoch, ob die vorhandene Datenbasis dafür überhaupt geeignet ist. Wer seine Daten noch in Silos verwaltet, wird auch mit der leistungsfähigsten KI nur begrenzte Ergebnisse erzielen.
Markus Stein: „Für Fertigungsunternehmen beginnt die KI-Transformation deshalb häufig nicht mit einem neuen Tool, sondern mit einer modernen ERP-Strategie.“
