Seit Herbst 2024 gibt’s im Langenhagener Lager von Konica Minolta noch mehr Gründe zur Freude: Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Verbrauchsmaterialien aus Technikerautos über einen Entsorger energetisch verwertet – sprich: verbrannt. Ein neu geschaffenes Team sortiert heute die Rückläufe, um daraus wertvolle Rohstoffe wiederzugewinnen. Eine Aufgabe, die Sinn ergibt und Spaß macht. 

Neue Töne aus dem Lager 

„Wenn ich nach einem stressigen Meeting bei den Leuten von der Lebenshilfe vorbeikomme, steigt gleich die Laune wieder“, berichtet Daniela Rak. „Da läuft immer Musik, die machen Späße und haben immer einen Witz auf Lager.“ Und noch etwas stimmt die ESG-Managerin fröhlich: „Von sieben bis acht Tonnen Verbrauchsmaterial im Monat verbrennen wir heute nur noch rund 800 Kilogramm. Vereinfacht gesagt: Diesen Prozess haben wir 90 Prozent ressourcenschonender gestaltet.“ Acht Beschäftigte der Lebenshilfe Peine/Burgdorf sortieren die anfallenden Materialien, sammeln Styropor und Pappe, demontieren Toner und Kartuschen, gewinnen Aluminium und Kupfer. 

Entscheidender Tipp nach Feierabend 

Was sich nach einer naheliegenden Idee anhört, brachte einige Herausforderungen mit sich. Denn dass eine Zusammenarbeit zwischen der Lebenshilfe Peine-Burgdorf und Konica Minolta zustande kommt, war vor dem Projekt noch gar nicht geplant. „Am Anfang haben wir überlegt, wie wir mehr Kreislaufwirtschaft in den Prozess bringen können“, erinnert sich Rak. Als Head of ESG ein alltäglicher Vorgang für Sie. Klar war: Maschinell würde die Sortierung nicht funktionieren, da die Komponenten und Teile sehr unterschiedlich sind. Die Service-Mitarbeitenden selbst konnten die Materialien auch nicht sortieren und demontieren, da ihr eng getakteter Zeitplan dies nicht zulässt. 

„Im privaten Umfeld habe ich erzählt, dass wir eine Lösung suchen. Da sagte jemand: Frag‘ doch mal die Lebenshilfe!“ Gesagt, getan. Mit Markus Bode von der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) Burgdorf war schnell der richtige Ansprechpartner gefunden. „Wir haben mit Konica Minolta einen Partner gewonnen, der von Anfang an bereit war, völlig unvoreingenommen auf uns und unsere Beschäftigten zuzugehen und dieses Projekt in enger Zusammenarbeit zu realisieren“, erzählt der Werkstattleiter. 

Gemini hat gesagt
In einem Logistiklager schiebt ein Mann im karierten Hemd einen großen Rollcontainer voller flachgelegter Kartons. Ein lächelnder Mitarbeiter in Arbeitskleidung geht dahinter, während im Hintergrund Regale und weitere Personen zu sehen sind.

Im Langenhagener Lager von Konica Minolta: Hier werden jeden Tag Toner, Kartuschen, Styropor, Pappe etc. demontiert und sortiert, um die Materialien im Wirtschaftskreislauf behalten und weiter nutzen zu können.

Von der Wundertüte zum eingespielten Prozess 

Ohne langen Vorlauf starteten die Lebenshilfe und Konica Minolta in den Testbetrieb. „Es war eine große Wundertüte“, sagt Daniela Rak. Bekannt war nur, wie hoch das Aufkommen an Verbrauchsmaterialien ungefähr ist. Woraus sich diese zusammensetzten und wie sie am besten zu sortieren sind – das mussten alle Beteiligten erst herausfinden. Die Gesundheit der Beschäftigten spielte dabei von Anfang an eine große Rolle. So hat Konica Minolta zum Beispiel spezielle Absaugtische angeschafft, damit kein Tonerstaub in die Atemwege gelangt. 

Nach Freiwilligen, die in einer Außengruppe arbeiten möchten, musste Markus Bode nicht lange suchen: „Unsere Beschäftigten können im Rahmen der Nachhaltigkeit einen wichtigen Beitrag leisten“, meint der Werkstattleiter. Nach drei Monaten hatten sich die ersten Abläufe gut eingespielt, aus dem Test- wurde der Regelbetrieb. „Die Beschäftigten fahren sehr gerne zur Arbeit nach Langenhagen. Sie freuen sich jeden Tag darauf und erfahren einen sehr offenen und wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeiter*innen von Konica Minolta“, so Bode. Auch für Daniela Rak sind die Beschäftigten der Außengruppe gar nicht mehr wegzudenken. „Wir kennen, schätzen, grüßen und unterhalten uns. Wir essen gemeinsam Mittag in der Kantine, tauschen uns aus und muntern uns gegenseitig auf“, berichtet die Nachhaltigkeits-Managerin. 

“Ich denke, dass viele Unternehmen gar nicht wissen, was wir als Werkstatt für Menschen mit Hilfebedarf leisten können. Es gibt Berührungsängste oder Bedenken, ob das denn auch eine zumutbare Arbeit für uns sein könnte.” 

Markus Bode, Werkstattleiter WfbM Burgdorf 

Ein Projekt mit mehrfacher Wirkung 

Die Arbeit der Außengruppe rechnet sich in mehrfacher Hinsicht: Die zurückgewonnenen Rohstoffe und Materialien sind wirtschaftlich nutzbar und müssen nicht entsorgt werden. Das gemeinsame Projektteam verbessert den Prozess laufend. „Wir arbeiten daran, sortenrein zu sortieren. Bald können wir sogar Kupfer, Aluminium und andere Materialien aus Platinen gewinnen“, prognostiziert Daniela Rak. So entstehen verwertbare Rohstoffe statt Entsorgungskosten. „Das Projekt kommt zudem unserer ESG-Strategie zugute. Denn hier zählt neben Umweltschutz und Governance die soziale Komponente gleichermaßen.“ Deshalb ist es wichtig, Inklusion und Teilhabe sinnvoll mit den ökonomischen und ökologischen Zielen des Unternehmens zu verknüpfen.

„Wir können außerdem einiges von den Beschäftigten der Lebenshilfe lernen. Zum Beispiel, wie sich Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Einschränkungen gegenseitig unterstützen, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen“, meint die Managerin. Markus Bode ergänzt: „Wir haben im Projekt gelernt, die Dinge nicht komplizierter zu denken, als sie sind – und offen zu sein, Dinge auszuprobieren.“ Das gilt für ihn auch dann, wenn etwas nicht so klappt wie gedacht. „Dann besteht der nächste Schritt darin, die Dinge den Möglichkeiten weiter anzupassen und nicht aufzugeben.“ 

“Wir kennen, schätzen, grüßen und unterhalten uns. Wir essen gemeinsam Mittag in der Kantine, tauschen uns aus und muntern uns gegenseitig auf.” 

Daniela Rak, Head of ESG Deutschland & Österreich bei Konica Minolta 

Schichtwechsel mit dem Mittelstand 

Auch anderen Unternehmen empfiehlt Daniela Rak die Zusammenarbeit mit WfbM. „Die Lebenshilfe übernimmt für die unterschiedlichsten Betriebe eine Vielzahl von Aufgaben: Montage und Verpackung, Holz- und Metallbearbeitung, Garten- und Landschaftspflege oder Catering“, weiß sie heute. Ihr Tipp: „Bei einem Projekt wie diesem ist Geduld wichtig. Arbeiten und Prozesse müssen sich an die Beschäftigten anpassen.“ Manche Tätigkeiten haben sich die acht Mitglieder der Außengruppe allmählich antrainiert, doch auch hier kommt mit der Zeit die Routine. Für Kooperationen mit dem Mittelstand ist Werkstattleiter Markus Bode deshalb immer aufgeschlossen. „Ich denke, dass viele Unternehmen gar nicht wissen, was wir als Werkstatt für Menschen mit Hilfebedarf leisten können“, so seine Einschätzung. „Es gibt Berührungsängste oder Bedenken, ob das denn auch eine zumutbare Arbeit für uns sein könnte.“ 

Um diese Bedenken und Ängste abzubauen, hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der WfbM das Projekt „Schichtwechsel“ ins Leben gerufen. Deutschlandweit können Interessierte den Arbeitsplatz für einen Tag mit einem Menschen mit Hilfebedarf tauschen und das Umfeld kennenlernen. Im Gegenzug besuchen Beschäftigte der WfbM den Arbeitsplatz der Tauschpartner*innen. „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, erzählt Markus Bode: „Daraus entstanden auch potenzielle Anfragen und ausgelagerte Arbeitsplätze.“ Der nächste „Schichtwechsel“ findet am 24. September 2026 statt.  

Kreislaufwirtschaft trifft Inklusion 

An ein Ende der Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe ist nicht zu denken, im Gegenteil: „Wir planen gerade neue Räume, denn wir wollen die Sortier- und Demontagekapazitäten weiter ausbauen“, verrät Daniela Rak. Wenn nämlich Kreislaufwirtschaft und Inklusion Hand in Hand gehen, dann sind auch Effizienz und Menschlichkeit zwei Seiten derselben Kupfermedaille. 

Kreislaufwirtschaft inklusive 

Konica Minolta bietet seinen Kund*innen ein kostenloses Rücknahmesystem für Verbrauchsmaterialien an. Im Interview erklärt Nachhaltigkeits-Managerin Daniela Rak, wie das Clean Planet Program genau funktioniert. 

Kartonboxen mit dem Logo des Clean Planet Programms von Konica Minolta; im Hintergrund eine Person beim Transport weiterer Boxen.
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